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Nachdem die Flavia Berlina beim letzten Mal den Reigen der BdW Viertürer eröffnet hat, kam dieses Mal ein Besucher auf die Farm, der wirklich schwer zu schlagen ist. Und mir als Flaminia-Mann fällt es nicht leicht, das zu sagen. Da aber eine Flaminia Berlina lange Zeit in CFs Familie einen festen Platz hatte, ist die goldene Brücke ja gebaut.

Diese Besucherin der Woche ist aus verschiedenen Gründen etwas ganz Besonderes. Erstens ist sie die Älteste, die sich bis dato die Ehre gab, fast siebzig Jahre ist sie alt.

Zweitens, vor diesem zeitlichen Hintergrund verkörpert sie ein Feuerwerk des Fortschritts, dessen Vielfalt eigene Bücher füllt. Die Geradeweg-Federung der Vorderachse, der 60 Grad V-Sechs mit Alu-Block mit nassen Laufbuchsen und Alu-Köpfen, Transaxle-Bauweise, hinten innenliegende Trommelbremsen mit gerippten Aluminiumtrommeln, unabhängige Radaufhängung hinten mit Dreieckslenkern, B-Säulenfreie Karosserie . . . will der Flaminia Fahrer alles gar nicht hören.

Drittens, dieses nämliche Auto, offiziell zwar restauriert, aber ganz offensichtlich auf Basis eines absolut authentischen, rostfreien, sehr, sehr gut gepflegten Wagens. Dieses Ding ist eine Zeitreisende, schaut man in den Motorraum, sieht man die Lancia-Werkshalle Anfang der fünfziger Jahre. Vom Krieg und den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren nicht gerade rund gefütterte Werker bauen mit Hingabe den besten Motor Italiens, sechs Zylinder, 1750 cm³, 56 PS, im Hinterkopf bereits die B20, Inkarnation und „Erfinderin“ des GT. Die Gießerei im Nachbargebäude liefert Leichtmetallguss vom feinsten, präzise ausmodelliert. Daneben der Karosseriebau, diese Rundungen, diese Spaltmaße. Selbst der flache mit akkurat angeordneten Verstärkungssicken versehene Boden macht die Werker stolz und zeigt, was sie können bei Lancia.

Jedes Detail schlägt den Betrachter in seinen Bann. Die Instrumente und allem voran das Autovox-Radio. Das ist alles so anders. Wie ist es dem Zeichner gelungen, dem Modellbauer und später dem Werkzeugmacher begreiflich zu machen, was in seiner Vorstellung ist und was die Zeichnung nur schattenhaft wiedergibt. Alles, aber auch wirklich alles an diesem Wagen atmet Kunstfertigkeit, Ästhetik und Liebe zur Arbeit. Aber mein persönliches Highlight sind die Türverkleidungen, plan, schnörkellos, mit Stil und aus Wolle, sagenhaft.

Viertens, dieser Wagen ist leise. Will sagen, wenn sie den Weg hinunter zum EPI-Zentrum rollt, heben die Rehe kaum den Kopf, sonst schreckhafte Vögel recken nur die Hälse, verfolgen den Gleiter. Bergauf ist es etwas anders, da entlässt die zweizügige Abgasanlage wohl temperierte Trompetenklänge.

Fünftens, die Form. Als Kind der Sechziger, dem Donnerkeile à la Ghibli und Countach den automobilen Horizont spalten, erscheint „Aurelie“, naja, irgendwie alt. Kein Wunder sie ist ja auch alt. Aber das Alter eines Objekts hat mit seiner Schönheit nichts zu tun. Man muss sich nur hinhocken und gucken. Und schon sind wir wieder dort, wo wir auch bei der Flavia waren, dreiviertel Perspektive vorne, hinten, überall. Es braucht seine Zeit, aber nimmt man sie sich, transformiert sich die B10, sie wächst in jeder Hinsicht, selbst im Auge eines 62ers. Allein die Einfassung der hinteren Rücklichter in die außergewöhnlichen Kotflügel, glatt und buchstäblich nahtlos. Es gibt Firmen, die können das heute immer noch nicht.

Und last not least, stammen alle Fotos von CF. Seine Kamera allein wäre schon einen Beitrag wert.










































09.05.2020 Hubert Enbergs

Frühlingserwachen



Milde Temperaturen, Sonnenschein und eine interessante Fragestellung zum Zündverteiler, wenn das nicht ideale Voraussetzungen für einen außergewöhnlichen Besucher der Woche sind.

Flavia Berlina 1.8, von CF bei einem Händler auf der Suche nach etwas anderem aufgestöbert. Sie hat ihn wohl mit ihrem freundlichen aber alles andere als feurig temperamentvollen Augenaufschlag angefleht:

„Wenn Du mich mitnimmst, verspreche ich, immer lieb zu sein und keine Zicken zu machen!“

Auf Flavias Wort kann man sich verlassen, und weil CF in seiner Halle zwischen den anderen „Quattroporte(s)“ noch reichlich Platz hat, durfte sie mitkommen. Die technischen Qualitäten und das hohe Niveau der Flavia sind uns ja hinlänglich von Coupé und Cabrio bekannt, aber ihren Ursprung haben sie in der Berlina und die Familienähnlichkeit ist unverkennbar.

Um den Entwurf, also das Design des Wagens, zu verstehen, muss man sich in die Zeit Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre versetzen. Das geht am besten, wenn man sich in der dreiviertel Perspektive von hinten ins Gras hockt und sich den Bögen und Kanten dieses Poppos hingibt.

Ein für Endverbraucher gedachtes Produkt wird entworfen, indem der Designer sich überlegt, was dem Käufer wohl besonders gefällt. Wenn man nun das Ergebnis so eines Prozesses vor sich hat, darf man dann die wertfreie Umkehrfrage stellen, was waren das für Leute, denen das gefallen hat?

Um es kurz zu machen, ich bin dann wieder aufgestanden und habe mit CF drei Fulvia Zündverteiler über den Prüfstand gejagt.



























18.04.2020 Hubert Enbergs

2-53 Forza La Bomba





Sie macht Fortschritte, die Bombe. Allerdings fehlt zur Zündung noch ein wichtiges Bauteil, nämlich die Kopfdichtung(en). Die Entwicklungsarbeiten sind soweit gediehen, dass der erste Satz einbaufertiger Teile, die Null-Serie gewissermaßen, auf den Prüfstand könnte. Da der Lieferant aus Italien aber im Moment sicher andere Sorgen hat, üben wir uns in Geduld und arbeiten an den Aggregaten.

Da wäre zum Beispiel die Vergaserbestückung. Die 3B-Anlage des Spendermotors hat sehr unter der jahrzehntelangen Lagerung gelitten. Sie soll beim ersten Probelauf zum Einsatz gebracht werden. Bis dahin ist noch viel zu tun, zuerst einmal wird von außen mit dem Soda-Strahler gereinigt.

Bei der Demontage fällt unvermittelt ein Düsenstock heraus, abgebrochen! Eine Menge der Schrauben hat Beschädigungen und die Drosselklappenwelle sitzt fest. Sie lässt sich durch Erwärmen etwas beweglich machen, sobald der Vergaser wieder abkühlt, steckt sie wieder fest.

Es ist wohl besser, die Energie in erfolgversprechendere Bahnen zu lenken. Der Vergaser wird wieder zusammengebaut und für die nächsten vierzig Jahre weggelegt. Sollen sich meine Erben drum kümmern.

PS: Wo immer man auf der Farm gräbt, finden sich Spuren längst vergangener Zivilisationen!















Schönheit in der Hässlichkeit
Schönheit in der Hässlichkeit





El Tenedor del Diablo
El Tenedor del Diablo

10.04.2020 Hubert Enbergs

2-52 La Bomba




Im letzten Sommer nahm der Gedanke Gestalt an, für das schwere Flaminia Coupé einen etwas durchzugsstärkeren Antrieb auf die Beine zu stellen. Im November wurde bereits über die Demontage und damit einhergehende Schwierigkeiten berichtet.

Die Widerstände sind nun überwunden, dazu sind sie ja schließlich da, und der Zusammenbau von La Bomba # 1 ist in vollem Gange.

Nachdem Block, Kurbelwelle und Köpfe mechanisch auf Maß bearbeitet sind, werden die Brennräume ausgelitert und Kolben und Pleuelstangen auf das gleiche Gewicht gebracht. Die Gewichtsabweichungen können unter 0,1 g für die Kolben und 0,5 g für die Pleuel gedrückt werden. Die Werkstoleranzen sind erheblich größer, was vermuten lässt, dass diese Maßnahme überhaupt nicht erforderlich ist.

Aber was macht man nicht alles in Zeiten der Isolation.

Zum Beispiel baut man einen Motorständer, mit dem man auch etwas anfangen kann. Über das billige Teil aus fernen Ländern hatte ich mich schon ab dem ersten Tag geärgert, wobei die Funktion dem Preis gerecht wurde. Trotzdem, ein um +-30° schwenkbarer Halter, Zugriff auf möglichst alle Anbauteile inkl. Schwungrad, Kugellager für geringe Bedienkräfte, Einsatz auf der Werkbank und mobil in der Halle, all das stand im Lastenheft.

Bei der Gelegenheit entstand auch noch eine Plattform, um die Messuhr reproduzierbar platzieren zu können. Das ist die Grundlage für eine genaue Einstellung des Laufbuchsenüberstandes auf 0,04-0,06 mm.

Die Laufbuchsen der ungeraden Bank sind in den letzten fünfzig Jahren ihre eigenen Wege gegangen. Eine ist um 0,12 mm aus dem Block gewandert, die beiden anderen sind eingesunken. Mit Hilfe eines EPI-zentralen Verfahrens konnten die Buchsen nach gründlicher Reinigung ihrer Sitze auf exakt 0,06 mm Überstand justiert werden. Die rechte Bank wurde ebenfalls auf 0,06 mm gleichgeschaltet. Da der Motor etwas mehr Verdichtung und somit Verbrennungsdruck hat, wurde der maximale Wert eingestellt.

Ach so, demjenigen, der sich als erstes mit einer präzisen Angabe darüber meldet, welches Bauteil welches Lancia als zentrales Element in die Ständerkonstruktion eingeflossen ist, winkt eine Flasche französischen Perlweins in Flaschengärung.

Zu verzehren direkt auf der Farm oder in "Quaranta Giorni", ganz nach Gusto.



Das ging schnell! Die erste richtige Antwort kam von GB aus Italien. Google Übersetzer macht´s möglich!

Die erste richtige Inlandsantwort mit Details zum Spenderfahrzeug kam von GS!

Die Preise stehen schon im Kühler!




Für Messungen im Hundertstel-Bereich
Für Messungen im Hundertstel-Bereich

Kopfstand
Kopfstand

rechts...
rechts...

Links ...
Links ...





Aufnahmen versetzt, Flaminia-gerecht
Aufnahmen versetzt, Flaminia-gerecht

Was ist es?
Was ist es?

Don Pipetto
Don Pipetto







22.03.2020 Hubert Enbergs

2-51 Stoßstangen





Die Karosseriearbeiten abgeschlossen, das Auto geht noch 2019 zum Lackierer, war wohl Wunschdenken!

Bevor der Lackierer loslegt, sollten alle Zier- und Anbauteile einmal angebaut werden. Das ist gar nicht so einfach, wenn man die Wahl aus einem beim Werkstattumzug vor fünf Jahren planlos zusammengewürfelten Haufen an Teilen hat, die einmal drei Coupés und ein paar Touring- und Vignale-Autos geschmückt haben.

Es sind auch noch einige Blechteile anzufertigen: a. die Frontlippe, die den Spalt zwischen Karosse und Stoßstange schließt; b. der Frontspoiler aus Aluminium, macht das Coupé zu einem echten Sportwagen; c. die Schutzleisten unterhalb der Heckstoßstange.

Um diese Leisten anzufertigen, ist es hilfreich, die hintere Stoßstange zu montieren. Also das machen wir! Aber fangen wir doch am Anfang an.

Vor sechs Jahren entstand die Idee, Stoßstangen aus Edelstahl auf eigene Faust in einem fernen Land machen zu lassen. Meine Stoßstangen sollten als Vorlage für Flaminia Coupé Teile dienen und so gingen sie auf die Reise. Einige Zeit später kamen sie wieder nach Hause, in Begleitung eines Paketes nagelneuer Stoßstangen für Cabrio und Coupé. Auf den ersten Blick sahen sie ziemlich gut aus.

Jetzt ist es Zeit, die Pininfarina-Stoßstangen zu montieren. Vorne sieht es recht annehmbar aus, weshalb erst einmal nicht zu viel Zeit darauf verwendet wird. Aber das Heck macht richtig Kopfzerbrechen. Das rechte Teil geht so leidlich, aber das U-Profil des Mittelteils ist viel zu breit. Das linke Seitenteil ist so unförmig, dass eine Lücke von drei Zentimetern zur Karosserie klafft. Ich muss zugeben, dass die Oberfläche der Nachbauten wirklich erstklassig ist, was die Entscheidung darüber wie weiter vorzugehen ist, deutlich erschwert. Der langen Rede kurzer Sinn, ich entscheide mich dazu, die Teile zu ändern und die perfekte Oberfläche zu opfern.

Es war unsere Absicht die Materialstärke mit Maß zu wählen und nicht das papierdünne Zeug, was es sonst aus Fernost-Quellen gibt. Und jetzt stehe ich hier.

Es ging ein ganzer Tag mit Biegen, Hämmern (nur Kunststoff und Alu-Hämmer) und Glätten auf dem kleinen English Wheel drauf. Immerhin geht es in die richtige Richtung. Ich werde mir jemanden suchen müssen, der die Teile nachher wieder auf Hochglanz bringt.

Unnötige und ziemlich gehasste Arbeit!!!














14.02.2020 Hubert Enbergs
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