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1.12 Bügeln ohne Eisen

Die Seitenverkleidungen des Kofferraums sind aus einer dicken Fliesmatte mit aufkaschiertem Kunstleder gefertigt. Die Kanten sind mit Einfassband aus Kunstleder vernäht. Die letzten vierundfünfzig Jahre haben gereicht um die Weichmacher in die Atmosphäre zu schicken. Eine deutliche Schrumpfung hat sich auch noch eingestellt.

Die Teile haben schon eine Auffrischung aus Tiegelchen und Tübchen hinter sich, ließen sich dadurch aber nicht erweichen. Um sie wieder in Form zu bringen, wurden sie einseitig auf der Werkbank festgespannt und mit der Heißluftpistole ganz vorsichtig angewärmt. Die Temperatur wurde auf 300 °C eingestellt und mit ausreichendem Abstand gearbeitet.

Die Falten können dann buchstäblich aus dem Stoff gezogen werden. Legt man dann "Glätteisen" auf, wird die Oberfläche richtig gut.

Die Verkleidungen bekommen durch diese Maßnahme nicht ihre alte Elastizität zurück, so dass man beim Einbau noch einmal mit dem Fön nacharbeiten muss.

Das Ergebnis sieht gut aus, und die Verkleidungen lassen sich überhaupt erst wieder mit den alten Tenax-Knöpfen anbringen.

Was aber bei Betrachtung des vorletzten Bildes auch auffällt, unser heutiges Auge erwartet bei einem komplett restaurierten Auto etwas anderes, aber das Gezeigte ist nun mal das, was 1962 bei Touring gemacht wurde, nicht mehr und nicht weniger.



Spröde wie Kartoffelchips
Spröde wie Kartoffelchips











Das Mittelstück fliegt auch noch irgendwo rum
Das Mittelstück fliegt auch noch irgendwo rum



08.09.2016 Hubert Enbergs

Aurelia B20 Kofferraumdeckel Teil 2

Der fast sechzig Jahre alte Rahmen des Kofferraumdeckels sah, gemessen an dem, was man aus den Siebziger-Achtziger Jahren von sechs Jahre alten Autos kannte, gar nicht schlecht aus.

Trotzdem, drei durchgerostete Stellen und flächige Korrosion sind keine Basis für eine neue Decke. Folglich wurde ein Teil des Rahmens neu angefertigt. Zumindest zu neunzig Prozent. Hätte sich im Gesamtkonzept auch gut gemacht. Was ich allerdings bei Annahme dieses Klein-Projekts nicht auf dem Schirm hatte, der Deckel hat ja seinen Gegenpart im Heck des Autos, und das ist nicht verfügbar. Die Kante des Deckels ist zwar durch die Krümmung recht steif, aber ein paar Millimeter vor und zurück sind immer möglich.

Mir wurde etwas kalt an den Füssen und ich entschied mich dafür, den offenen Teil des Rahmens zu strahlen und ihn zu reparieren. Die Aussenhaut war ja schon fertig und liess sich gut auf Stoss mit dem Altteil verschweißen. Die Verbindung zum Rahmen erfolgte wie im Original mit der Punktschweißzange.

Jetzt ist die Sache wieder rund, genau wie alles andere an der Aurelia.



So hält es auch
So hält es auch



Rahmen neu
Rahmen neu

Originalteil gestrahlt, wird wieder eingebaut
Originalteil gestrahlt, wird wieder eingebaut





02.09.2016 Hubert Enbergs

Aurelia B20 Kofferraumdeckel Teil 1

Anfang der Woche kam KA zu Besuch, um mal einen Blick in die Werkstatt zu werfen. Im Gegenzug tat ich selbiges mit dem Kofferraumdeckel der B20, der an der unteren Kante einige Pusteln zeigte.

Am besten beseitigt man solche Durchrostungen nicht mikroinvasiv, sondern nach dem Motto „gründlich bis ins Gesunde rausschneiden“. Da kommt es schon fast gelegen, dass der üppige Rahmen des Bauteils einer Klein-Klein-Lösung buchstäblich im Wege ist. Über den Rahmen wird später noch zu reden sein.

Um den optimalen Behandlungsplan aufstellen zu können, wird ein Patientenstatus erhoben. Das Alter und den allgemeinen Zustand des Patienten berücksichtigend, wird sodann folgendermaßen vorgegangen:

Als erstes wird die Haut großflächig abgezogen, also die Haut auf der (Blech)haut.

Danach werden die Reste mit der Drahtbürste entfernt

Sodann wird die chirurgische Linie gezogen. Hierbei wird berücksichtigt, dass die später zu erstellende Schweißnaht von der Rückseite so weit wie möglich zugänglich ist.

Dann werden mit dem Konturenabnehmer die ersten Bögen abgenommen, auf Schablonen wird weitgehend verzichtet, weil das Teil nicht so komplex ist.

Als nächstes erfolgt der Blechzuschnitt.

Das Werkstück wird im Folgenden dem Mirakel der Umformung solange unterzogen, bis es so aussieht wie die Vorlage.

Die endgültige Trennlinie wird am Deckel angezeichnet. Gleiches geschieht mit der Kontur des Werkstücks.

Das kanzerogene Gewebe wird entfernt und das Werkstück auf Einbaumaß zugeschnitten.

Zum Schluss wird ein Früh Sport getrunken.

Im zweiten Teil wird erläutert, was mit dem Rahmen des Kofferraumdeckels passiert und hoffentlich ein schönes Ende präsentiert.

Nur ein paar Bläschen
Nur ein paar Bläschen

Muttermal oder Melanom, das ist hier die Frage
Muttermal oder Melanom, das ist hier die Frage

Haut abziehen
Haut abziehen

Das ist nicht gutartig
Das ist nicht gutartig

Bei Aurelia ist alles rund
Bei Aurelia ist alles rund

Passende Rolle
Passende Rolle

Zuschnitt
Zuschnitt

etwas für die ganz kleinen Hämmerchen
etwas für die ganz kleinen Hämmerchen

Tja, irgendwie doof
Tja, irgendwie doof

Wie gut, das passender Ersatz im Lager ist
Wie gut, das passender Ersatz im Lager ist

Gestrahlt wird es nicht besser
Gestrahlt wird es nicht besser

Kann was werden
Kann was werden

20.08.2016 Hubert Enbergs

2.33 Vorläufiger Heckabschluss und Zwischenbilanz

Zum ersten Bild, man konnte 1967 bereits eine Drei-in-Eins-Anlage im Auto haben, will heißen drei Flaminiamotoren unter einer Haube. 7.5 Liter und weit mehr als dreimal so viel Muskeln.

Das rechte Seitenteil ist nun fertig und an der Karosserie angebracht. Vorher wurde noch eine Ecke und der Radkasten vervollständigt. Mit dem Glätthammer habe ich einigen Bereichen noch etwas mehr Vorspannung gegeben. Hilfreich waren ein paar neue Hammerköpfe aus Kunststoff und ein Werkzeughalter, der einen Knickwinkel erlaubt.

Es ist Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Nichts spricht gegen die evolutorische Entwicklung der eigenen Fähigkeiten. Und wenn ein Problem (nebenbei gesagt ein viel zu häufig verwendeter Begriff, wir sprechen gerne von ungenutzten Lösungen) sehr umfänglich erscheint, bietet sich der morphologische Kasten als Hilfsmittel an. Grob vereinfacht zerlegt man dabei ein Problem (schon wieder dieses Wort) in Teilprobleme (schon besser), für welche man dann Lösungen (na also) entwickelt.

Das dieses geschehen ist, konnte man an Bildern früherer Beiträge sehr schön sehen. Aaber . . . die Sache hat mit einer frustbedingten Pause von fast drei Monaten ein halbes Jahr in Anspruch genommen. Einige Bauteile wurden nicht nur einmal hergestellt, sondern wanderten gleich mehrfach in die Tonne. Und die Unwilligkeit des Werkstoffs, das zu tun, was ich wollte, führte manchmal zu Zuständen tiefer und anhaltender Verzweiflung.

Auf dem Tiefpunkt hatte ich sogar die Idee, einfach ein fahrbereites Coupé zu kaufen. Völlig irre!

Die Bilanz lautet folglich, viele Lösungen wurden genutzt (Probleme gelöst) und die eigenen Fähigkeiten mangels Alternative massiv erweitert. Aber für ein Coupé werde ich diesen Auwand nicht noch einmal betreiben. Ich hätte damals den Kommandowagen behalten sollen.

Nächste Woche geht es an die Frontpartie, dann nur noch die Türen, die Schwellen und den Boden, ist ruckzuck fertig, höchstens drei Jahre.




Abends um Zehn
Abends um Zehn

Da war noch was originales, weg damit
Da war noch was originales, weg damit







Das mußte auch noch raus (Scheibenrahmen)
Das mußte auch noch raus (Scheibenrahmen)



Wirklich nicht schlecht
Wirklich nicht schlecht



GT schön, Coupé noch schöner?
GT schön, Coupé noch schöner?

14.08.2016 Hubert Enbergs

Von Hebern und Hauern

Hängende Türen

Beobachtet man Lancia Fahrer beim Schließen ihrer Türen, erkennt man drei Grundtypen.

Der erste lässt die Tür nur aus eigener Kraft ins Schloss fallen, schließt ab, fertig. Das sind die Langweiligen.

Der zweite positioniert seinen Körper unauffällig aber elegant und präzise neben seiner Tür, hebt sie am Türgriff definiert an und führt den Zapfen ins Schloss. Das sind die Respektvollen.

Der dritte nimmt ordentlich Schwung und haut die Tür mit Karacho zu. Das knallt ordentlich und manchmal springt sie sogar wieder auf. Das sind Leute wie ich.

Dass dieses Einen nicht mit Stolz erfüllt, ist nachvollziehbar, auch deshalb weil sich das Problem so nicht lösen lässt. Im Gegenteil, ignoriert man das Thema zu lange, zertrümmert man auch noch Teile des Schließapparates.

Vorausgesetzt, die Tür wurde bei der Montage korrekt eingestellt, liegt die Ursache fast immer in verschlissenen Gelenken. Eine kleine Messung ergab beim GT folgendes Ergebnis. Ausgeleierte Bohrung des inneren Scharnierschenkels von 8,2 mm. Abgenutzter Bolzen von 7,9 mm, resultierend in 0,3 mm unerwünschtem Spiel.

Nehmen wir nun vereinfachend ein Scharnier und ermitteln den Kippwinkel, so ergibt sich eine Abweichung aus der Waagerechten von 0,286°. Bezogen auf eine 800 mm entfernte Schlossfalle ergibt sich nach Herrn Pythargoras eine „Hängung“ von 4 mm.

Nachdem die Tür ausgebaut ist, können die Gelenkbolzen entfernt werden. Beim GT finden sich aufwendige, zweiteilige, mit Schmierbohrung und spiralförmiger Schmiernut versehene Bolzen. Jahrzehntelanger Trockenlauf hat sie aufgerieben. Und im Werk ist niemanden aufgefallen, dass es erstens nix gebracht hat und man zweitens für fünf Prozent der Kosten einen einfachen Bolzen hätte machen können.

Nun besteht prinzipiell die Möglichkeit, die Bohrungen des Gelenks aufzubohren und einen dickeren Bolzen zu verwenden. Die Schwierigkeit ist, dass der türseitige Schenkel des Gelenks angeschweißt ist. Eine saubere Bohrung lässt sich frei Hand an der Tür nicht so leicht einbringen.

Die Lösung findet sich im Maschinenbau. Ersetzt man den alten Bolzen durch einen Spannstift, ist das Spiel im Gelenk dauerhaft eliminiert. Leider erkauft man sich dieses mit einer spürbar schwerer gehenden Tür. Aber bis zur nächsten Totalrestaurierung hat man Ruhe. Dann kann man ja Übermaß-Bolzen machen lassen . . .

aus Nimonic 80A, mit Lubri-Doppelhelix und Titankappe!

Wie schmiert man so etwas?
Wie schmiert man so etwas?

Links Cabrio, mitte ISO, rechts GT
Links Cabrio, mitte ISO, rechts GT

Schon deutliche Spuren an der Schlossfalle
Schon deutliche Spuren an der Schlossfalle

Gut gemeint, aber fruchtlos
Gut gemeint, aber fruchtlos

Linie perfekt
Linie perfekt

Auch hier
Auch hier

07.08.2016 Hubert Enbergs
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