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Licht und Schatten



Licht

Das Umschaltrelais war vor einigen Jahren schon einmal Thema eines Beitrags. Damals war ein Gerät originalgetreu restauriert worden. Trotz alledem zeigt sich immer wieder, dass die Betriebssicherheit, insbesondere bei seltener Benutzung, zu wünschen übriglässt.

Aber was ist denn nun so besonders an dieser Einrichtung? Der einfachste Weg, das Fernlicht einzuschalten, wäre ein mechanischer Umschalter, also in etwa so, wie die Schalter für Abblendlicht und Standlicht. Eleganter ist die Umschaltung aber, wenn der Fahrer zum Wechseln nur auf einen Knopf, genauer einen "Taster" drücken muss. Dessen Impuls, der nur solange „steht“ wie der Taster gedrückt ist, muss ein Relais oder Ähnliches ansteuern, welches zwei Zustände, nämlich Abblendlicht und Fernlicht, mechanisch hält und durch Tastendruck zwischen ihnen hin und her springt. Der CEAM Kasten beinhaltet drei elektromechanische Relais, eines wandelt das Tastsignal in ein Dauersignal um, eines schaltet das Licht ein und eines bewirkt die Umschaltung Fahr/Fernlicht und transportiert die Lastströme.

Lancia löste die Aufgabe mit Hilfe eines kleinen Hammerwerks, dessen Arbeit in dem Video aus dem letzten Beitrag zu sehen ist. Die Spule betätigt einen Hebel, der mit einem Federstahlblatt versehen ist. Vor der Spule befindet sich ein Lagerbock mit einer Welle, welche drei Funktionen beinhaltet. Ganz links findet man einen Bereich mit quadratischem Querschnitt, leicht eingeklemmt zwischen zwei Blattfedern. Er sorgt dafür, dass die Welle sich nur schrittweise um 90 Grad drehen lässt. Auf der Mitte der Welle sitzt ein Zahnrad mit vier Zähnen, welches von dem Federblatt der Spule betätigt wird und mit diesem zusammen eine Ratsche bildet. Ganz rechts befindet sich ein zweiarmiger Rotor, vor dem ein elektrischer Federkontakt steht. Dieser Kontakt ist mit der Spule des Lastrelais verbunden. Dreht sich der Rotor um eine Position (90°) wird der Kontakt geschlossen und das Fernlicht wird eingeschaltet. Bei der nächsten Betätigung öffnet der Kontakt und das Umschaltrelais fällt ab (Abblendlicht).

Das laute Klacken beim Umschalten weckt zwiespältige Gefühle, einerseits entfaltet es den spröden Reiz alter Elektro-Mechanik, andererseits ist es der Raffinesse eines Lancia nicht angemessen.

Schatten

Kann man die Funktion nicht unter Beibehaltung der originalen Optik sicherer darstellen? Man kann, wenn man einen bistabilen Multivibrator verwendet, welcher seinerseits die nachgeschalteten Relais ansteuert. Wie der Name schon sagt, kennt diese Schaltung zwei Zustände, die durch ein kurzes Signal, den Tastendruck am Blinkerhebel, hin und her gewechselt werden. Die Miniaturrelais übernehmen die Durchleitung der hohen Ströme für die Rückleuchten und die Scheinwerfer.

Beim ersten Versuchsaufbau kam es zu Problemen durch Tastenprellen. Das bedeutet, dass der alte Taster am Blinkhebel im Augenblick des Schließens mehrmals auf und zu geht. Dieser Effekt bestand vorher auch schon, jedoch ist die mechanische Lösung so träge, dass das Problem nicht sichtbar wird. Die empfindliche und schnelle Elektronik hingegen schaltet in Sekundenbruchteilen mehrmals hin und her.

Durch die Ergänzung eines Dämpfungsglieds bestehend aus zwei Widerständen und einem Kondensator (nicht im Schaltplan eingezeichnet) konnte die Sache behoben werden.

Und was ist die Schattenseite dieser Lösung?

Erstens ist sie nicht original und zweitens ist sie fast lautlos. Da passt das Klackklack doch viel besser zum armdicken Lichtstrahl der vier proiettori.


Rechts wurde schon mal neu gewickelt
Rechts wurde schon mal neu gewickelt

Viele Bauteile
Viele Bauteile



Hammer und Sichel
Hammer und Sichel

Fernlicht an
Fernlicht an

Fernlicht aus
Fernlicht aus



Versuchsaufbau
Versuchsaufbau





Aufbau noch ohne Tastendämpfung
Aufbau noch ohne Tastendämpfung

Die
Die

aufgeräumter Unterboden
aufgeräumter Unterboden



05.01.2020 Hubert Enbergs

Kurz vor Weihnachten





Es war mal wieder soweit, die Flavia musste zur HU. Seit August, um ehrlich zu sein. Da der Wagen in den letzten zwei Jahren nur rumgestanden hat, konnte nicht viel Technisches gelitten haben. Eine kurze Rundumprüfung offenbarte nur einen korrodierten Blinkleuchtenkontakt. Sogar die beim letzten Mal etwas zickige Fernlichtumschalteinrichtung funktionierte einwandfrei. Also Dach auf und schnell mal eben hin gedüst. Sind nur eineinhalb Kilometer bis zur Prüfstelle.

Schon im Warteraum beschlich mich ein eigenartiges Gefühl. „Mein persönlicher Prüfer sein Schreibtisch“ wirkte verdächtig unbewohnt. Der einzige diensthabende Prüfingenieur popelte sich gerade durch einen bis in die letzte Ritze topgepflegten silbernen Honda Civic, dessen siebzig jähriger Pfleger, noch mit der Zahnbürste vom Profilreinigen in der Hand und nach Armor All duftend, mit Argusaugen die Prozedur überwachte. Oh,oh!

Die Flavia kommt an die Reihe. Erster Punkt Abgasuntersuchung. Die braucht das Auto nicht, ist Baujahr 1964, sage ich. Das wollen wir erst einmal sehen, sagt Herr Ingenieur und wirft das Internet an. Mir schwant Übles. Die Flavia muss sich jetzt von ihrer besten Seite zeigen! Vorsichtshalber fahre ich sie selber in die Prüfhalle und übernehme die Bedienung der Funktionen. Hupe? Geht! Scheibenwischer? Geht! Spritzwasser? Geht nicht! Ha!!! Das schreibe ich mir auf, werde mal nachsehen, was das für ein Mangel ist, sagt Herr Ingenieur. Dann Abblendlicht? Vorne links außer Funktion! Wie kann das sein, vor zehn Minuten ging es doch noch. Fernlicht? Klack, klack, kein Fernlicht! Ich werd´ weich. Dann holt der Kerl doch tatsächlich noch das Scheinwerfertestgerät aus der Ecke und prüft die rechte Scheinwerfereinstellung!!!

Bremse, Lenkung, Fahrwerk, alles in Ordnung. Aaaaber was haben wir denn da, fragt Herr Ingenieur mit maliziösem Grinsen und zeigt auf die ausgefransten Blattfederzwischenlagen an der Hinterachse. Die müssen Sie aber reindrücken, so geht das nicht!

Nein, so geht das auch nicht! Aber ich werd´ gleich mal woanders was reindrücken.

Zu unser beider Segen kommt in dem Moment Herr Chef um die Ecke, begrüßt mich freundlich mit Handschlag und fragt, wann er mich mal wieder auf der Farm besuchen darf. Die Situation entspannt sich schlagartig und auf dem Mängelbericht verbleiben nur die beiden Beleuchtungsmängel, zu Recht. Wiedervorführung am selben Tag ist kostenlos. Das schaffe ich.

Wieder in der Werkstatt finde ich einen abgefallenen Kabelschuh (Abblendlicht links) und tausche das Fernlichtumschaltrelais gegen ein generalüberholtes aus dem Lager. Ruck zuck ist die Plakette drauf!

Na also, dann doch noch . . .

Frohe Weihnachten, Allen eine sorgenfreie Fahrt und einen guten Rutsch in Neue Jahr!

Das vermaledeite Umschaltrelais kommt demnächst (noch einmal) an die Reihe!


25.12.2019 Hubert Enbergs

Kann denn Leistung Sünde sein?



Zugegeben, die Überschrift klingt etwas hochtrabend, aber die ersten Prüfstandsversuche mit knapp über 4000 Umdrehungen verursachen schon ein Kribbeln in den Gliedern. Immerhin, die Leistungskurve aus den Werksunterlagen ließ sich soweit ziemlich exakt nachstellen. Da geht sicher noch mehr!

Vorversuche im unteren Drehzahlbereich bewirkten unter anderem einen ca 1 m hohen Geysir, der aus dem Kühler schoss. Leider lief die Kamera zu dem Zeitpunkt nicht.

Wir hatten uns doch wohl etwas viel Zeit gelassen und die Kühlleistung ohne Fahrtwind leicht überschätzt. Waren zu sehr mit Staunen beschäftigt!



03.12.2019 Hubert Enbergs

2-50 Hilfsrahmen



Der Hilfsrahmen bedarf noch gründlicher Zuwendung, theoretisch. Nachdem er in der Vergangenheit Platz sparend unter der Karosserie „gelagert“ war wurde er heute ausgebaut und einer eingehenden Inspektion unterzogen.

Das Ergebnis war ernüchternd. An einigen Stellen waren Bereiche vor dem Strahlen bereits herausgetrennt worden, so dass die Hohlräume entrostet werden konnten. Die heutige Begutachtung zeigte, dass die Steifigkeit des Bauteils stark zu wünschen übrigließ, auch weil die verbleibenden Partien großflächig „dünngerostet“ sind. Eine Aufarbeitung des Rahmens wurde deshalb verworfen. Stattdessen kommt ein nachgefertigter Hilfsrahmen zum Einsatz. Leider wird es eine ganze Zeit dauern, bis man sagen kann, ob der Nachfertiger alles richtig gemacht hat.

Die Neigung der Motorlager ist mit bloßem Auge nicht zu sehen, bin mal gespannt, ob das erkannt wurde














21.11.2019 Hubert Enbergs

2-49 Kolbensprengung




Jetzt sind die Blecharbeiten abgeschlossen, etwas Detailarbeit an den Kanten einmal ausgenommen.

Die Black Pearl unter den Flaminia Motoren hat zwischenzeitlich bereits ihre Köpfe verloren, aber die Kolben und die Laufbuchsen nebst den Stehbolzenstümpfen haben sich in den letzten fünfzig Jahren derart innig mit ihrem Motorblock verwoben, dass kein Rostlöser dieser Welt ihre Verbindung zu öffnen vermochte.

Die letzte Dose WD 40 war versprüht, das restliche Bisschen Geduld mit dem Delinquenten sowieso.

Wenn die Kolben nicht aus den Laufbuchsen heraus wollen, dann müssen die Laufbuchsen eben mit samt der Kolben aus dem Block . Das geschah „auf schonende Art und Weise“ mit dem schwersten einhändig zu führenden Hammer aus der Hammersammlung und ein wenig Nachdenken.

Danach wurden die Kolben aus den Laufbuchsen entfernt, indem sie unter die Presse kamen. Der erste Kolben bewegte sich keinen Millimeter, bis der Pressendruck 15 Tonnen erreichte.

Dann gab es einen ohrenbetäubenden Knall. Der Kolben, die Presse und der Presseur sprangen panisch ein jeder in eine andere Richtung. Der Kolben nach unten, die Presse nach oben und der Mechaniker in Deckung.

Der Weg war frei, der Kolben nicht!

Mehrmaliges Wiederholen der Prozedur brachte aber alle Kolben letztlich aus den Röhren. Den Stehbolzen ging es nicht besser. Sie wurden auf 20 mm Überstand gekürzt, dann Muttern aufgeschweißt und mit dem Schlagschrauber unter Hinterlassung einer qualmenden Gewindebohrung aus dem Block gehämmert.

Zwischenzeitlich waren schöne fette Halbliter-Kolben mit eigens berechnetem Dom für etwas mehr Verdichtung gezeichnet und in Auftrag gegeben worden.

Und ein paar andere Dinge mehr . . .
















12.11.2019 Hubert Enbergs
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