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Ein neues Dach über dem Kopf





Heute wurde ein ganz besonderer Scheunenfund geborgen. Genaugenommen ist es ein Kellerfund, aber „barnfind“ klingt einfach mehr nach Düsternis, Staub, Stacheldraht und Tetanus.















In einem unscheinbaren Dörfchen an der Korngrenze zwischen Ruhrpott, vertreten durch die Zeche Fürst Leopold, und Münsterland, vertreten durch den Kartoffelbauern Onkel Jupp, verschaffte ich mir heute mit schmeichlerischen Worten und artigen Höflichkeiten Zugang zu den Kellerräumen im Hause eines älteren, alleinstehenden Herren. Ich folgte einem vagen Hinweis, der nach einem Scherz klang, denn das ganze Umfeld sah nicht nach einer Lancialiebe sondern eher nach Elstern fangen mit der selbstgebauten Falle aus.

Das behutsame Recherchieren und ebensolches Handeln, vereint mit dem Hinweis an den alten Herren, ich würde ihm helfen Teile seines Kellers aufzuräumen, förderte ein originales Lancia Hardtop zutage, absolut unverbastelt, augenscheinlich so gut wie nie montiert. Nur der Mürb hatte in den letzten sechzig Jahren etwas daran geknabbert.

Wie weitere Forschungen ergaben, war das Dach 1976 weggepackt worden, als das Trägerfahrzeug zermürbt war und abgemeldet wurde. Die letzten 30 Jahre verbrachte es im Keller des kleinen Häuschens des alten Mannes, in Sichtweite von Onkel Jupp und fast in Sichtweite von Fürst Leopold.
Ein Geheimnis gelüftet, ein Rätsel eröffnet, denn wie kommt ein deutscher Aufkleber auf ein italienisches Hardtop?

Apropos Aufkleber, den anderen habe ich von meiner Tochter zu Weihnachten bekommen, ich weiß aber überhaupt nicht warum😊.

Und noch etwas, mir ist bei der Sache ein assoziativer Fauxpas unterlaufen, der Erste, der mir sagt, welcher, bekommt eine Flasche feinsten norditalienischen Spumante, weiß oder Rosé. (Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte)




06.01.2021 Hubert Enbergs

Augenringe





. . . kann man sich holen, indem man sich abends mit zwei, drei Flaschen schlechten Rotweins coronar in die Ecke verzieht. Das tut am nächsten Tag richtig weh. Oder man sorgt dafür, dass der Augenring an anderer Stelle entsteht.

Der rechte Scheinwerferrahmen unserer Fulvia ist in ziemlich schlechtem Zustand. Das Bauteil ist stellenweise soweit abgeschliffen, dass das Alu-Blech zu reißen droht. Das Rähmchen ist sehr liederlich gefertigt, die Spalte zur Karosserie sind haarsträubend und mit der Kühlergrillkante hat es mal gerade gar nichts am Hut.





Besonders schwierig ist das Teil nicht, bis auf eine Eigenheit. Es ist acht Zentimeter tiefgezogen und das ist für die Bauteilgröße eine Hausnummer.
Der tiefen Form nimmt man den Schrecken oft dadurch, dass man das Bauteil aus mehreren Blechen zusammensetzt. Geschickt gelegte Nähte reduzieren den Umformgrad erheblich. Man erkauft sich diesen Vorteil aber mit Schweißnähten, die sehr präzise sein müssen und viel Feinarbeit erfordern, um sie unsichtbar zu machen.

Der erste Versuch einer Nachfertigung erfolgte genau nach dieser Methode. Freihand zugeschnitten kam es wie es kommen musste, an einigen Ecken fehlte Material. Die intensive Bearbeitung, insbesondere mit dem Schrumpfgerät, führt zu unschönen Oberflächen, die genau wie die Schweißnaht viel Zeit für Nacharbeit verschlingen.

Es sollte möglich sein, das Teil aus einem Stück zu fertigen. Hierfür soll eine Klopfform gebaut werden und zwar nicht aus Holz, sondern aus Formmasse. Einfacher Zement ist eventuell nicht fest genug, deshalb fällt die Wahl auf einen extrem festen Modellierzement. Die Verarbeitbarkeit gibt allerdings Rätsel auf.

Aus den Resten eines Kinderbetts wird ein einfacher Rahmen gebaut. Die Abformvorlage soll auf einem Gestell aus Draht liegen, welches von der Formmasse umschlossen wird. Die Masse hat bei der vom Hersteller genannten Wasserbeimischung etwa die Konsistenz von Harry Wijnvords Slimfast.







Das funktioniert überhaupt nicht, die Vorlage würde in der Masse eintauchen und nicht mehr zu entfernen sein.
Also wird der Feststoffanteil soweit erhöht, dass die Masse modellierbar wird. Das Ergebnis ist, das die Aushärtung viel zu schnell beginnt und das Einbetten der Vorlage misslingt.







Beim zweiten Versuch wird die Vorlage vorher in den Rahmen eingelegt und die Zwischenräume mit Klebeband abgedeckt. Der Zement wird fließfähig eingestellt. Zudem wird aus Maschendraht eine Armierung angefertigt, die in die Füllung eingebettet wird. Nachdem die Form ausgehärtet ist, wird etwas nachgearbeitet, so richtig perfekt ist das Ergebnis aber noch nicht. Manche Dinge werden dadurch, dass man ausgiebig über sie spricht auch nicht besser, also machen wir es kurz. Trotz thermischer Vorbehandlung und Einsatz all der jahrelang gesammelten Erfahrungen ließ das Blech sich zwar in die Form treiben, riss aber nach sieben von acht Zentimetern Umformung auf ganzer Länge auf. Frust, Frust, Frust!

Die geschweißte Ausführung sieht so gesehen gar nicht mal so schlecht aus.








Das missglückte Tiefziehteil wollte ich nicht auch noch fotografieren. Das tut nämlich auch weh.

Es bleibt eine unvollendete Aufgabe. Um meinen Frust abzubauen, restauriere ich das Dach vom Unimog. Da kommt es auf ein paar Zehntel nicht an!!



11.12.2020 Hubert Enbergs

Fräulein Abarth geht in die Stadt -update-





. . . und weil sie diesmal weder neue Schuhe noch eine neue Tasche braucht, steckt wohl etwas anderes dahinter. Carla lebt sehr zurückgezogen und ländlich, nach den Königsalleen dieser Welt steht ihr selten der Sinn. Aber alle zwei Jahre führt kein Weg am Besuch von Herrn Dörner, ihrem Leibarzt, vorbei.

In der Vergangenheit ergab der Checkup immer ein Däumchen, nach oben versteht sich. Doch dieses Mal blieb dem ansonsten sehr einfühlsamen und wohlwollenden Herrn Dörner keine Wahl. Bremsleuchten außer Funktion, Rückfahrleuchten außer Funktion, Spurstangenköpfe verschlissen, und dann versenkte sich noch ein Arm der Hebebühne in Carlas Körper. Da nützte es nichts, dass die Brems- und Abgaswerte erstklassig waren.

Und dabei hatte sie nach langem Suchen endlich originale, neue Nebelscheinwerfer bekommen!



Nützt nix, zurück in der ländlichen Behausung muss der Körper auf Vordermann gebracht werden. Dabei fallen zwei Aspekte besonders auf. Erstens die exzessive Verwendung von Kunststoff. Radhausschalen, Radläufe, Einstiegsleisten, Verkleidungen und Dübel, alles aus Plastik. Nach 35 Jahren Evaporation der Weichmacher stellen diese Teile eine fast unbrauchbare Sammlung an Müll dar.

Zweitens die Karosserie an sich. Obwohl der Wagen nur an der genannten Ecke Durchrostungen aufweist, biegt sich die Hülle auf der Hebebühne wie eine Banane. Beide Türen klemmen in ihren Ausschnitten. Aber gut, das nehmen wir hin, vorne drücken schließlich siebzig Pferde aufs Gewicht. Gutes Stichwort, Gewicht und mithin Material wurde sehr minimalistisch eingesetzt. Die Türschwellen und der Boden sind so dünn, dass sie nur mit der allerkleinsten Schweißgeräteeinstellung so eben schweißbar sind. Anders ausgedrückt, Formkorrekturen ließen sich teilweise mit dem Daumen und ohne Hammer durchführen.

Und weil bei der Herstellung alles so billig sein mußte, gab es nur eine ganz kleine Tüte Schweißpunkte pro Karosse, mit der die Arbeiter auskommen mußten. Also setzten sie gefühlt nur alle zehn Zentimeter Einen.

















05.11.2020 Hubert Enbergs

Fernfahrer der Woche





Ob man derzeit Urlaub im Ausland macht, ist nicht wie früher eine Frage des Wann und Wo, sondern eine Frage von Verantwortung und Risikobereitschaft.

Aber wenn der Transport eines Flavia Convertibile in seine Heimat ansteht, es sich also um einen Sachverhalt von nationalem italienischen Interesse handelt, dann werden wir unserer Verantwortung als Europäer gern gerecht. Risikoscheu sind wir auch nicht, aber die gebotene Sorgfalt soll obwalten.



Los geht es morgens um acht in Köln. Die Ikone ist schon verladen, als Zugfahrzeug ein dezent dekorierter Cherokee mit dickem Diesel aber ohne die heute üblichen und äußerst sicherheitsstiftenden Anhänger-Controller.






Die Fahrt endet bereits nach 450 km im Raum Freiburg, wo wir die Flavia abladen und das Gespann für die nächsten Tage verstauen. Von dort fahren wir auf Achse über die Autobahn und durch den Gotthard-Tunnel Richtung Luganer See. Hier wechseln wir auf die Landstraße und überqueren die Grenze nach Italien.



Flavia fahren ist schön!
Flavia fahren in den Alpen ist schöner!!
Flavia fahren in den Alpen am Comer See ist am schönsten!!!

Die Strecke vom Luganer See nach Tremezzo am Lario ist ein Genuss, auch weil mit der Abenddämmerung die erbarmungslose Sonne auf ein sehr Cabrio-freundliches Maß gedämpft wird.







Die folgenden drei Tage stehen ganz im Zeichen der Aquamobilität. Eigentlich fahren wir zwar nur mit der Flavia am See herum, aber wir landen in einem Bootsmuseum, wo man einige interessante Exponate zu Gesicht bekommt. Von einer riesigen venezianischen Gondel, die bei der Renovierung einer hiesigen Villa gefunden wurde, bis zum Hydroplane, was liegend, Kopf voran, gefahren wurde. Hier gibt es auch Neuigkeiten zu Flaminia-Motoren in Rennbooten.


226 km/h in dieser Kiste, alle Achtung!


Wenn die Gondeln Trauer tragen . . .


Alles, was man braucht.


Na, Lust auf einen Rochenritt?


Hier ist sein Stachel!

Einmal, wir sind wie „zufällig“ an einer Bootswerft, kommen wir mit zwei freundlichen Alfa Giulia fahrenden Boatpeople ins Gespräch, die gerade mit ihrem Riva Runabout ankommen. Und es entspannt sich ein weiteres Gespräch mit einer Alfa Spider fahrenden Dame, die ihr Boot verkaufen will.







Schon am gleichen Abend treffen Bilder vom Objekt der Begierde ein, artig damit kommentiert, wie schön es sei und dass man damit bestimmt viel Spaß haben könnte. Die Antwort: der Spaß würde noch viel größer, wenn sie dem Interessenten ihre kleinen Geheimnisse zeigen würde!

Das ist Marketing mit allen Mitteln!!!






Die Abende vergehen mit Bootssuche im Internet. Riva ist vielleicht sehr bekannt, aber es gibt noch einige andere feine(re?) Adressen.

Zum Abschluss krönen wir das Motto-Wochenende damit, dass wir uns ein Boot mieten und selber erproben, wieviel Spaß es tatsächlich macht.

Auch ohne die kleinen Geheimnisse eine ganz große Sache!


17.08.2020 Hubert Enbergs

1951




Nachdem die Flavia Berlina beim letzten Mal den Reigen der BdW Viertürer eröffnet hat, kam dieses Mal ein Besucher auf die Farm, der wirklich schwer zu schlagen ist. Und mir als Flaminia-Mann fällt es nicht leicht, das zu sagen. Da aber eine Flaminia Berlina lange Zeit in CFs Familie einen festen Platz hatte, ist die goldene Brücke ja gebaut.

Diese Besucherin der Woche ist aus verschiedenen Gründen etwas ganz Besonderes. Erstens ist sie die Älteste, die sich bis dato die Ehre gab, fast siebzig Jahre ist sie alt.

Zweitens, vor diesem zeitlichen Hintergrund verkörpert sie ein Feuerwerk des Fortschritts, dessen Vielfalt eigene Bücher füllt. Die Geradeweg-Federung der Vorderachse, der 60 Grad V-Sechs mit Alu-Block mit nassen Laufbuchsen und Alu-Köpfen, Transaxle-Bauweise, hinten innenliegende Trommelbremsen mit gerippten Aluminiumtrommeln, unabhängige Radaufhängung hinten mit Dreieckslenkern, B-Säulenfreie Karosserie . . . will der Flaminia Fahrer alles gar nicht hören.

Drittens, dieses nämliche Auto, offiziell zwar restauriert, aber ganz offensichtlich auf Basis eines absolut authentischen, rostfreien, sehr, sehr gut gepflegten Wagens. Dieses Ding ist eine Zeitreisende, schaut man in den Motorraum, sieht man die Lancia-Werkshalle Anfang der fünfziger Jahre. Vom Krieg und den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren nicht gerade rund gefütterte Werker bauen mit Hingabe den besten Motor Italiens, sechs Zylinder, 1750 cm³, 56 PS, im Hinterkopf bereits die B20, Inkarnation und „Erfinderin“ des GT. Die Gießerei im Nachbargebäude liefert Leichtmetallguss vom feinsten, präzise ausmodelliert. Daneben der Karosseriebau, diese Rundungen, diese Spaltmaße. Selbst der flache mit akkurat angeordneten Verstärkungssicken versehene Boden macht die Werker stolz und zeigt, was sie können bei Lancia.

Jedes Detail schlägt den Betrachter in seinen Bann. Die Instrumente und allem voran das Autovox-Radio. Das ist alles so anders. Wie ist es dem Zeichner gelungen, dem Modellbauer und später dem Werkzeugmacher begreiflich zu machen, was in seiner Vorstellung ist und was die Zeichnung nur schattenhaft wiedergibt. Alles, aber auch wirklich alles an diesem Wagen atmet Kunstfertigkeit, Ästhetik und Liebe zur Arbeit. Aber mein persönliches Highlight sind die Türverkleidungen, plan, schnörkellos, mit Stil und aus Wolle, sagenhaft.

Viertens, dieser Wagen ist leise. Will sagen, wenn sie den Weg hinunter zum EPI-Zentrum rollt, heben die Rehe kaum den Kopf, sonst schreckhafte Vögel recken nur die Hälse, verfolgen den Gleiter. Bergauf ist es etwas anders, da entlässt die zweizügige Abgasanlage wohl temperierte Trompetenklänge.

Fünftens, die Form. Als Kind der Sechziger, dem Donnerkeile à la Ghibli und Countach den automobilen Horizont spalten, erscheint „Aurelie“, naja, irgendwie alt. Kein Wunder sie ist ja auch alt. Aber das Alter eines Objekts hat mit seiner Schönheit nichts zu tun. Man muss sich nur hinhocken und gucken. Und schon sind wir wieder dort, wo wir auch bei der Flavia waren, dreiviertel Perspektive vorne, hinten, überall. Es braucht seine Zeit, aber nimmt man sie sich, transformiert sich die B10, sie wächst in jeder Hinsicht, selbst im Auge eines 62ers. Allein die Einfassung der hinteren Rücklichter in die außergewöhnlichen Kotflügel, glatt und buchstäblich nahtlos. Es gibt Firmen, die können das heute immer noch nicht.

Und last not least, stammen alle Fotos von CF. Seine Kamera allein wäre schon einen Beitrag wert.










































09.05.2020 Hubert Enbergs
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