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1951




Nachdem die Flavia Berlina beim letzten Mal den Reigen der BdW Viertürer eröffnet hat, kam dieses Mal ein Besucher auf die Farm, der wirklich schwer zu schlagen ist. Und mir als Flaminia-Mann fällt es nicht leicht, das zu sagen. Da aber eine Flaminia Berlina lange Zeit in CFs Familie einen festen Platz hatte, ist die goldene Brücke ja gebaut.

Diese Besucherin der Woche ist aus verschiedenen Gründen etwas ganz Besonderes. Erstens ist sie die Älteste, die sich bis dato die Ehre gab, fast siebzig Jahre ist sie alt.

Zweitens, vor diesem zeitlichen Hintergrund verkörpert sie ein Feuerwerk des Fortschritts, dessen Vielfalt eigene Bücher füllt. Die Geradeweg-Federung der Vorderachse, der 60 Grad V-Sechs mit Alu-Block mit nassen Laufbuchsen und Alu-Köpfen, Transaxle-Bauweise, hinten innenliegende Trommelbremsen mit gerippten Aluminiumtrommeln, unabhängige Radaufhängung hinten mit Dreieckslenkern, B-Säulenfreie Karosserie . . . will der Flaminia Fahrer alles gar nicht hören.

Drittens, dieses nämliche Auto, offiziell zwar restauriert, aber ganz offensichtlich auf Basis eines absolut authentischen, rostfreien, sehr, sehr gut gepflegten Wagens. Dieses Ding ist eine Zeitreisende, schaut man in den Motorraum, sieht man die Lancia-Werkshalle Anfang der fünfziger Jahre. Vom Krieg und den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren nicht gerade rund gefütterte Werker bauen mit Hingabe den besten Motor Italiens, sechs Zylinder, 1750 cm³, 56 PS, im Hinterkopf bereits die B20, Inkarnation und „Erfinderin“ des GT. Die Gießerei im Nachbargebäude liefert Leichtmetallguss vom feinsten, präzise ausmodelliert. Daneben der Karosseriebau, diese Rundungen, diese Spaltmaße. Selbst der flache mit akkurat angeordneten Verstärkungssicken versehene Boden macht die Werker stolz und zeigt, was sie können bei Lancia.

Jedes Detail schlägt den Betrachter in seinen Bann. Die Instrumente und allem voran das Autovox-Radio. Das ist alles so anders. Wie ist es dem Zeichner gelungen, dem Modellbauer und später dem Werkzeugmacher begreiflich zu machen, was in seiner Vorstellung ist und was die Zeichnung nur schattenhaft wiedergibt. Alles, aber auch wirklich alles an diesem Wagen atmet Kunstfertigkeit, Ästhetik und Liebe zur Arbeit. Aber mein persönliches Highlight sind die Türverkleidungen, plan, schnörkellos, mit Stil und aus Wolle, sagenhaft.

Viertens, dieser Wagen ist leise. Will sagen, wenn sie den Weg hinunter zum EPI-Zentrum rollt, heben die Rehe kaum den Kopf, sonst schreckhafte Vögel recken nur die Hälse, verfolgen den Gleiter. Bergauf ist es etwas anders, da entlässt die zweizügige Abgasanlage wohl temperierte Trompetenklänge.

Fünftens, die Form. Als Kind der Sechziger, dem Donnerkeile à la Ghibli und Countach den automobilen Horizont spalten, erscheint „Aurelie“, naja, irgendwie alt. Kein Wunder sie ist ja auch alt. Aber das Alter eines Objekts hat mit seiner Schönheit nichts zu tun. Man muss sich nur hinhocken und gucken. Und schon sind wir wieder dort, wo wir auch bei der Flavia waren, dreiviertel Perspektive vorne, hinten, überall. Es braucht seine Zeit, aber nimmt man sie sich, transformiert sich die B10, sie wächst in jeder Hinsicht, selbst im Auge eines 62ers. Allein die Einfassung der hinteren Rücklichter in die außergewöhnlichen Kotflügel, glatt und buchstäblich nahtlos. Es gibt Firmen, die können das heute immer noch nicht.

Und last not least, stammen alle Fotos von CF. Seine Kamera allein wäre schon einen Beitrag wert.










































09.05.2020 Hubert Enbergs

Frühlingserwachen



Milde Temperaturen, Sonnenschein und eine interessante Fragestellung zum Zündverteiler, wenn das nicht ideale Voraussetzungen für einen außergewöhnlichen Besucher der Woche sind.

Flavia Berlina 1.8, von CF bei einem Händler auf der Suche nach etwas anderem aufgestöbert. Sie hat ihn wohl mit ihrem freundlichen aber alles andere als feurig temperamentvollen Augenaufschlag angefleht:

„Wenn Du mich mitnimmst, verspreche ich, immer lieb zu sein und keine Zicken zu machen!“

Auf Flavias Wort kann man sich verlassen, und weil CF in seiner Halle zwischen den anderen „Quattroporte(s)“ noch reichlich Platz hat, durfte sie mitkommen. Die technischen Qualitäten und das hohe Niveau der Flavia sind uns ja hinlänglich von Coupé und Cabrio bekannt, aber ihren Ursprung haben sie in der Berlina und die Familienähnlichkeit ist unverkennbar.

Um den Entwurf, also das Design des Wagens, zu verstehen, muss man sich in die Zeit Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre versetzen. Das geht am besten, wenn man sich in der dreiviertel Perspektive von hinten ins Gras hockt und sich den Bögen und Kanten dieses Poppos hingibt.

Ein für Endverbraucher gedachtes Produkt wird entworfen, indem der Designer sich überlegt, was dem Käufer wohl besonders gefällt. Wenn man nun das Ergebnis so eines Prozesses vor sich hat, darf man dann die wertfreie Umkehrfrage stellen, was waren das für Leute, denen das gefallen hat?

Um es kurz zu machen, ich bin dann wieder aufgestanden und habe mit CF drei Fulvia Zündverteiler über den Prüfstand gejagt.



























18.04.2020 Hubert Enbergs

Kurz vor Weihnachten





Es war mal wieder soweit, die Flavia musste zur HU. Seit August, um ehrlich zu sein. Da der Wagen in den letzten zwei Jahren nur rumgestanden hat, konnte nicht viel Technisches gelitten haben. Eine kurze Rundumprüfung offenbarte nur einen korrodierten Blinkleuchtenkontakt. Sogar die beim letzten Mal etwas zickige Fernlichtumschalteinrichtung funktionierte einwandfrei. Also Dach auf und schnell mal eben hin gedüst. Sind nur eineinhalb Kilometer bis zur Prüfstelle.

Schon im Warteraum beschlich mich ein eigenartiges Gefühl. „Mein persönlicher Prüfer sein Schreibtisch“ wirkte verdächtig unbewohnt. Der einzige diensthabende Prüfingenieur popelte sich gerade durch einen bis in die letzte Ritze topgepflegten silbernen Honda Civic, dessen siebzig jähriger Pfleger, noch mit der Zahnbürste vom Profilreinigen in der Hand und nach Armor All duftend, mit Argusaugen die Prozedur überwachte. Oh,oh!

Die Flavia kommt an die Reihe. Erster Punkt Abgasuntersuchung. Die braucht das Auto nicht, ist Baujahr 1964, sage ich. Das wollen wir erst einmal sehen, sagt Herr Ingenieur und wirft das Internet an. Mir schwant Übles. Die Flavia muss sich jetzt von ihrer besten Seite zeigen! Vorsichtshalber fahre ich sie selber in die Prüfhalle und übernehme die Bedienung der Funktionen. Hupe? Geht! Scheibenwischer? Geht! Spritzwasser? Geht nicht! Ha!!! Das schreibe ich mir auf, werde mal nachsehen, was das für ein Mangel ist, sagt Herr Ingenieur. Dann Abblendlicht? Vorne links außer Funktion! Wie kann das sein, vor zehn Minuten ging es doch noch. Fernlicht? Klack, klack, kein Fernlicht! Ich werd´ weich. Dann holt der Kerl doch tatsächlich noch das Scheinwerfertestgerät aus der Ecke und prüft die rechte Scheinwerfereinstellung!!!

Bremse, Lenkung, Fahrwerk, alles in Ordnung. Aaaaber was haben wir denn da, fragt Herr Ingenieur mit maliziösem Grinsen und zeigt auf die ausgefransten Blattfederzwischenlagen an der Hinterachse. Die müssen Sie aber reindrücken, so geht das nicht!

Nein, so geht das auch nicht! Aber ich werd´ gleich mal woanders was reindrücken.

Zu unser beider Segen kommt in dem Moment Herr Chef um die Ecke, begrüßt mich freundlich mit Handschlag und fragt, wann er mich mal wieder auf der Farm besuchen darf. Die Situation entspannt sich schlagartig und auf dem Mängelbericht verbleiben nur die beiden Beleuchtungsmängel, zu Recht. Wiedervorführung am selben Tag ist kostenlos. Das schaffe ich.

Wieder in der Werkstatt finde ich einen abgefallenen Kabelschuh (Abblendlicht links) und tausche das Fernlichtumschaltrelais gegen ein generalüberholtes aus dem Lager. Ruck zuck ist die Plakette drauf!

Na also, dann doch noch . . .

Frohe Weihnachten, Allen eine sorgenfreie Fahrt und einen guten Rutsch in Neue Jahr!

Das vermaledeite Umschaltrelais kommt demnächst (noch einmal) an die Reihe!


25.12.2019 Hubert Enbergs

Besucher der Woche, Valet Parken im Ritz



Aus dem Heidelberger Umland hatte sich JU mit seiner 59er Flaminia auf die Reise gemacht, um im EPI-Zentrum etwas Flaminia- und Clubfühlung aufzunehmen. Korrekt muss es wohl heißen „Heidelberg Land“, also zwar Kennzeichen HD aber eben nicht aus Heidelberg.

Das Auto besitzt seinen originalen Unterbodenschutz, nicht das kleinste Reparaturblech ist zu sehen. Die Bodenwanne und alle unteren Bauteile sind nicht verbeult und nicht verkratzt. Die Hebebühne hebt den Wagen an den ursprünglich vorgesehenen Stellen. Es knirscht nichts, es rieselt nichts, es tropft nichts.

Die Lackierung wurde schon einmal erneuert und JU hat die verwohnte Innenausstattung überarbeiten lassen. Dabei wurde großer Wert daraufgelegt, ein dem damaligen Connolly Leder gleichwertiges Material zu finden.

Solide wie am Tag der Auslieferung.

Die Türen schließen mit einem Sssappp, welches dem Insassen signalisiert, Du bist da angekommen, wo Pong und Peng niemals hingelangen werden. Aussteigen erst wieder vor der Himmelspforte. Oder vorm Ritz Carlton, wenn´s denn sein muss.

Die fließenden Übergänge von A-Säule zu Schweller, die üppige C-Säule, die gemeinsam mit den Heckflossen dem hinteren Teil des Wagens ein gewisses Gewicht geben. Dagegen die filigranen vorderen Dachpfosten und die großen Scheiben, welche die vordere Sitzreihe zu lichtdurchfluteten Premiumplätzen machen.

Und dieses Gesicht! Zwei einfache große, runde Scheinwerfer, das leicht vorgezogene Maul mit dem selbst nach heutigen Maßstäben ziemlich großen Grill.

Gruß nach München, so macht man das!

Ein Traumwagen!


































22.08.2019 Hubert Enbergs

Besucher der Woche, Flavia Coupé



Es war schon seit längerem vereinbart, einen Blick auf die Bremsanlage von MSs Flavia zu werfen. Eine Probefahrt hatte bereits in Redderse bei Hannover stattgefunden, wo eine Projektgruppe der Fulvia-Flavia-IG an einer außergewöhnlichen Fulvia arbeitet.

Das Auto ist eine Flavia 1.5, mit den serienmäßigen zwei Doppelvergasern, aber mit einem Flaviasport-Getriebe ausgerüstet.
Der Wagen trägt sein Alter überraschend leichtfüßig, das originale Grau und die patinierte Innenausstattung versetzen den Fahrer in die frühen Sechziger. Interessant in diesem Zusammenhang erscheint ein Blick in die aktuellen Farbkarten der deutschen Autohersteller. Oder man schaut im Stau vor der Leverkusener Brücke mal nach links und rechts. Graue Uni-Farben an jeder Ecke.

Es ging aber nicht nur um die Eleganz der schönen Flavia, sondern auch um den Bremskraftverstärker (wie immer). Das Gerät war schnell zerlegt. Nicht zum ersten Mal, wie man an einigen neuen Teilen und Messingbuchsen in den kritischen Bereichen sehen konnte. Die Fehlfunktion rührte dieses Mal aber von einer unsachgemäßen Reparatur her. Wenn man bei der Montage etwas übrigbehält, sollte man vielleicht doch noch einmal nachsehen.

Das fehlende Federchen wurde ersetzt und ein neuer Dichtsatz „made in Germany“ eingebaut. Der Servo wurde installiert und entlüftet, was zu zweit viel einfacher geht als allein und schon lässt sich die Fuhre angemessen zum Stillstand bringen










Alles da für eine DOT3 Schorle
Alles da für eine DOT3 Schorle

Ohne Feder keine Wirkung
Ohne Feder keine Wirkung

Das Gefälle ist echt
Das Gefälle ist echt

Jemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen
Jemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen





Arbeitsanzug in Wagenfarbe, das hat Stil
Arbeitsanzug in Wagenfarbe, das hat Stil

Radkappenmontage
Radkappenmontage

12.08.2019 Hubert Enbergs
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